Virtuelle Zäune überzeugen im Praxistest der Universität Göttingen
Virtuelle Zäune könnten die Weidetierhaltung flexibler, effizienter und zugleich tiergerechter machen. Eine neue Studie der Universität Göttingen zeigt, dass virtuelle Zäune bei Rindern ähnliche räumliche Verhaltensmuster auslösen wie herkömmliche Elektrozäune. Damit werden die häufig geäußerten Tierschutzbedenken deutlich relativiert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Animal veröffentlicht.
In den Studien zu diesem Thema tragen die Rinder Halsbänder, die beim Annähern an die Grenze akustische Signale und bei Bedarf auch elektrische Impulse abgeben. Im Verlauf des Lernprozesses verknüpften die Tiere den Warnton mit dem aversiven Reiz und respektierten die virtuell gesetzte Grenze anschließend überwiegend bereits durch die akustischen Signale. Da sich in den bisherigen Analysen des Versuchs keine signifikanten Verhaltensunterschiede zwischen virtuell und herkömmlich gezäunten Tieren zeigten, schauten die Wissenschaftler:innen in der nun veröffentlichten Studie nochmals genau hin: Um die Distanz zum Zaun und somit einen möglicherweise nur in der Nähe zur virtuellen Grenze auftretenden Effekt auf das Verhalten der Rinder abbilden zu können, wiesen sie die Bewegungsdaten der 31 Färsen per GPS zwei verschiedenen Zonen zu (Randzone und Weidemitte) und verglichen diese. Das zentrale Ergebnis: Nicht die Art des Zauns war entscheidend, sondern die Grenze selbst – unabhängig davon, ob sie sichtbar ist oder nicht. Die Tiere hielten sich unabhängig vom System seltener in den Randbereichen auf, bewegten sich dort langsamer und nutzten vor allem die Weidemitte. Virtuelle Zäune führten zudem zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere auf der Fläche.





