24.08.2023rss_feed

Borchert-Kommission gibt auf – Ministerium lässt Tierhalter allein

Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, nach seinem Vorsitzenden, Bundeslandwirtschaftsminister a.D. Jochen Borchert, auch Borchert-Kommission genannt, hat nach vier Jahren Arbeit beschlossen, seine Arbeit niederzulegen. Für den Vorsitzenden des Bundesverbandes Rind und Schwein, Georg Geuecke, selbst Mitglied der Expertenkommission, kommt diese Entscheidung nicht überraschend. Das Ziel des vom Bundeslandwirtschaftsministerium 2019 beauftragten Gremiums war die Erarbeitung von Empfehlungen für eine praktikable Anhebung des Tierwohlniveaus auf breiter Ebene. Die Finanzierung und Machbarkeit der geplanten Maßnahmen wurde durch unabhängige Gutachten bescheinigt und fand breite Zustimmung aller Parteien und Agrarministerien. Den Empfehlungen müssen auch Taten folgen. Diese lassen sich bei der jetzigen Bundesregierung nicht erkennen, zeigt sich Geuecke enttäuscht.

Das Expertengremium hatte den Finanzierungsbedarf zur Umsetzung der Konzepte mit jährlich rd. 3 bis 4 Milliarden Euro kalkuliert. Vom BMEL freigegeben wurden lediglich 1 Milliarde Euro für vier Jahre, allerdings nur für einen Bruchteil der Betriebe, die bereits im Premiumsegment wirtschaften. Die hohen Anforderungen bei den Förderbedingungen schließen 90 % der konventionell wirtschaftenden Schweinehalter von vornherein aus.


Landwirtschaftsministerium erweist dem deutschen Agrarstandort einen Bärendienst

Cem Özdemir muss sich den Vorwurf gefallen lassen, ein Ankündigungsminister zu sein. Seiner Ankündigung, sich für mehr Tierwohl und eine zukunftsorientierte Tierhaltung in Deutschland einzusetzen, fehlt offensichtlich der Umsetzungswille.

 

Fatal ist in diesem Zusammenhang auch die Ankündigung, das Bundesprogramm Nutztierhaltung auslaufen lassen zu wollen. Dieses Programm ist der zentrale Baustein der Nutztierstrategie und leistet einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Tierhaltung. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis sind Kernelemente des Programms und sichert im internationalen Vergleich den hohen Standard unseres Agrarstandorts. Die Streichung dieses bedeutenden Förderprogramms würde nicht nur einen herben Rückschlag für die wissenschaftlichen Einrichtungen bedeuten, sondern auch negative Konsequenzen für den landwirtschaftlichen Sektor, unsere Tierhaltungsbetriebe und damit letztlich auch das gesamte Agribusiness haben. Es ist aus meiner Sicht ein verheerendes Signal an die Verbraucher, ist der BRS-Vorsitzende überzeugt. Die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Tierzucht, Tiergesundheit, nachhaltige Fütterung und artgerechte Haltung sind von grundlegender Bedeutung für unsere Gesellschaft, um die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Produkte zu gewährleisten.